Wort zum Freitag

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser 

 

Was für eine Note würden Sie sich geben? Für Ihre Leistung bei der Arbeit, für das Nachtessen, das Sie gestern Abend gekocht haben, für Ihre Bemühungen als Vater, Mutter oder Ehepartner...? Stellen Sie sich abends vor den Spiegel, schauen sich an und benoten sich dann von 1 («sehr schwach») bis 6 («sehr gut»)? In meiner Funktion als Regierungsrat und Person des öffentlichen Lebens gehört es zum Alltag, dass man mir allerhand Fragen stellt. Intelligente, kritische (zu Recht) – manchmal aber auch solche, die bei mir für Stirnrunzeln sorgen. Was antwortet man nun also mitten in der Bewältigung einer Krise, die es so noch nie zuvor gegeben hat, auf die Frage «Was für eine Note würden Sie sich geben?» Ich musste mir das diese Woche überlegen, weil ich genau das von einem Journalisten gefragt worden bin. (Insgeheim habe ich mich gefragt, welche Note ich dem Journalisten für diese Fragestellung geben würde…) Einer Antwort im Sinne einer Benotung bin ich ausgewichen. Ganz bewusst – und zwar aus zwei Gründen.


Erstens: Ich glaube, dass man ein Fazit immer erst dann ziehen sollte, wenn etwas vorbei ist – ein Projekt abgeschlossen, eine Amtszeit vorüber, oder eben eine Pandemie ausgestanden. Um beim Schulvergleich zu bleiben, der hier bemüht wird: Es ist meiner Ansicht nach nicht so relevant, ob man bei der einen Prüfung mal mehr und bei einer anderen vielleicht weniger brilliert hat. Was zählt, ist der Notendurchschnitt, das Zeugnis ganz am Schluss. Daran kann man gemessen werden – und das wird man auch. 


Zweitens - und das scheint mir fast noch wichtiger: Ist es nicht so, dass die meisten von uns grundsätzlich bemüht sind, einfach jeden Tag ihr Bestes zu geben? Ob im Arbeitsleben, beim Sport, in einer Partnerschaft oder in der Familie: Wir alle wissen doch, dass es unterschiedliche Phasen gibt. Mal läuft alles wie am Schnürchen, («Note 6!»), mal ist es schwieriger, es klemmt und harzt. Und seien wir ehrlich: Wo gehobelt wird, da fallen nun einmal Späne. Ich kann Ihnen daher nur wünschen, dass Sie am Ende eines Tages stolz auf sich sind, wenn Ihnen etwas Gutes gelungen ist – aber auch nicht allzu hart mit sich selbst ins Gericht gehen, wenn es halt auch einfach mal «e Schiiss-Tag» war... Vergessen, abhaken, aus Fehlern lernen, vorwärtsschauen und positiv weitermachen. Das ist doch viel sinnvoller, als sich selbst irgendwelche Noten zu verteilen oder sich von anderen gar eine Notengebung aufzwingen zu lassen.

 

 

Jetzt ist die übrige Bevölkerung mit Impfen an der Reihe

Für mich die beste Nachricht in dieser Woche: Jetzt beginnen im Kanton Luzern die Impfungen bei der übrigen Bevölkerung. Gestartet wird ab der kommenden Woche mit den angemeldeten Luzernerinnen und Luzernern im Alter zwischen 55 und 64 Jahren. Ab Mitte Mai kommen dann bereits alle weiteren Angemeldeten ungeachtet ihres Alters an die Reihe. «Endlich!», werden sich nun viele denken. – Und da kann ich nur zustimmen! Denn man darf eines nicht vergessen: Gerade die Jüngeren tragen zugunsten der älteren Bevölkerung und der Risikopatienten seit langer Zeit alle nötigen Entbehrungen mit. Sie haben Geduld aufgebracht und Solidarität gelebt. Im Sinne der Generationengerechtigkeit ist es deshalb nun angezeigt, dass wir – hier in Luzern, aber nicht zuletzt natürlich auch auf Bundesebene, wo die Musik bei der Impfstoffbeschaffung spielt – nun weiterhin alles dran setzen, dass es zügig vorangeht und sich bald auch die Jüngeren schützen können. Insbesondere sie sind es, die Perspektiven brauchen  – einen Alltag mit weniger Einschränkungen, mehr Freiheiten, und einer aktiveren, vielfältigeren Freizeitgestaltung. 

 

Der elegante Fischer mit der besseren Fangquote

À propos Freizeit: Um abzuschalten suche ich gerne ab und zu einen kleinen, abgelegenen Weiher in der Nähe meines Wohnortes auf. Dort werfe ich dann die Angelschnur aus, und warte, bis etwas anbeisst. Kein grosses Spektakel... Aber genau das macht den Reiz für mich aus. Es dauert einfach solange, wie es dauert. Und was passiert, das passiert. Ein schöner Kontrast zum ansonsten sehr hektischen Polit-Alltag. Während ich also dasitze und sehr oft nichts passiert, beobachte ich manchmal einen prächtigen Vogel. Müsste ich raten, würde ich sagen, meine elegante Konkurrenz am Wasser sei ein Kormoran. Während unsereins im Trüben fischt, lässt sich seine Fangquote mehr als sehen… Die Natur ist uns in vielen Dingen halt einfach überlegen.

 

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Bliibed Sie gsond! 

Guido Graf 
Regierungsrat

Zurück

Impressum