Wort zum Freitag

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Da staunte ich nicht schlecht, als ich am Wochenende den «Sonntags-Blick» aufgeschlagen habe. In einem Artikel kritisierte die Zeitung, dass die Kantone beim Bund «nur» 17,7 Millionen Franken «abgeholt» hätten, um sich an der nationalen Impfwoche zu beteiligen – wo der Bund doch extra 96 Millionen bereitgestellt habe. Im Artikel wurde suggeriert, dass bei den Kantonen zu wenig Wille vorhanden sei, die Impfquote in der Schweiz nochmals zu erhöhen, und sie stattdessen lieber in Untätigkeit verharren würden...

 

Steuergeld soll man mit Köpfchen ausgeben – nicht mit vollen Händen!

Was die Journalisten bei ihrer Einschätzung leider ausser Acht liessen: Viele Kantone wie auch der Kanton Luzern hatten bereits vor der nationalen Impfwoche ein sehr gut ausgebautes Angebot an Impfmöglichkeiten und Informationsangeboten. Da leuchtet es doch ein, dass nicht einfach blindlings mit Steuergeldern noch mehr zusätzliche, kurzfristige Massnahmen (für eine Woche!) geschaffen werden, sondern dass das gut ausgebaute Netz durch den Zustupf vom Bund stattdessen punktuell und sinnvoll verstärkt wird. Genau das haben wir jedenfalls im Kanton Luzern getan, nebst ein paar speziellen Angeboten, die schnell und kosteneffizient umzusetzen waren. Und ich denke, das ist sehr wohl im Sinne der Bürgerinnen und Bürger, die ja meistens auch Steuerzahlerinnen und Steuerzahler sind – und es zu schätzen wissen, wenn ihr Geld nicht leichtfertig auf den Kopf gehauen wird, nur weil es grad zur Verfügung steht.

 

Beeindruckende Veranstaltung – wichtiges Thema

Gestern fand der dritte Anlass der Veranstaltungsreihe «Für sich und andere sorgen» statt. Rund 70 pflegende und betreuende Angehörige nahmen im Kulturzentrum Braui in Hochdorf an dieser Veranstaltung teil. Die 70 Personen standen stellvertretend für tausende Luzernerinnen und Luzerner, die zu Hause – oftmals täglich und rund um die Uhr – ihre kranken und/oder beeinträchtigten Familienmitglieder betreuen und pflegen. Wie bereits in den vergangenen Jahren war auch ich vor Ort. Und einmal mehr war ich tief beeindruckt von allen, die ein solch grosses Engagement erbringen, das für sie grundsätzlich eine Herzensangelegenheit ist.

Durch die Wortmeldungen der Anwesenden wurde mir aber einmal mehr auch sehr bewusst, was diese Menschen unermüdlich leisten und mit welchen Herausforderungen sie – insbesondere auch in der Covid-19-Pandemie – zu kämpfen haben. Sei dies unter anderem in Bezug auf Betreuungs- und Pflegeleistungen oder administrative und finanzielle Fragen. Daher braucht es nebst den Unterstützungs- und Entlastungsangeboten, die es im Kanton Luzern bereits gibt, weitere Verbesserungen für betreuende und pflegende Angehörige. Politik und Gesellschaft müssen Rahmenbedingungen schaffen, welche die Betreuung und Pflege von Angehörigen aufwerten und stärken – und zwar auf nationaler wie auch kantonaler Ebene.

 

Ein Leben in Würde ermöglichen

Zum Glück hat sich diesbezüglich schon einiges getan, so etwa das 2021 in Kraft getretene Bundesgesetz über die Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung. Und Weiteres ist in Gang – so auch im Kanton Luzern. Dass es vorwärtsgeht, das haben die betreuenden und pflegenden Angehörigen mehr als verdient; denn so wie sie ihren Liebsten ein Leben in Würde ermöglichen und damit eine enorme Leistung für unsere Gesellschaft erbringen, müssen auch wir – Politik und Gesellschaft – ihnen ein Leben in Würde ermöglichen. Für das unermüdliche Engagement danke ich allen betreuenden und pflegenden Angehörigen von Herzen.

 

Ich wünsche Ihnen allen ein erholsames Wochenende. Bliibed Sie gsond!

 

Guido Graf

Regierungsrat

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