Wort zum Freitag

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Ich hoffe, dass Sie gut ins 2022 gestartet sind und wünsche Ihnen von Herzen ein glückliches, erfolgreiches und freudvolles neues Jahr.

 

Omikron führt zu zahlreichen Personalausfällen, aber gemäss aktuellem Wissensstand zu weniger schweren Verläufen

Leider beschäftigt uns die Pandemie auch 2022 weiter. Die Omikron-Variante verbreitet sich rasant, die Fallzahlen steigen und steigen. Sie scheinen sich aber glücklicherweise entkoppelt von den Spitalbehandlungen zu entwickeln. So sind die Spitaleinweisungen und die IPS-Bedürftigkeit derzeit auf hohem Niveau stabil. Die Situation in den Spitälern bleibt jedoch weiterhin kritisch und kann sich insbesondere aufgrund von (steigenden) personellen Ausfällen rasch weiter zuspitzen. Auch viele weitere Branchen sind von (steigenden) Personalausfällen betroffen, was zahlreiche Betriebe vor grosse Herausforderungen stellen und zeitnah auch Auswirkungen auf unser öffentliches Leben haben dürfte. So haben nebst Gesundheits- und Betreuungsinstitutionen unter anderem Verkehrsbetriebe, die Gastro- und Hotelleriebranche oder die Schulen bereits darauf hingewiesen, dass sie ihren Betrieb zeitweise mit kleineren oder grösseren Einschränkungen weiterführen müssen – um ihn irgendwie am Laufen zu halten.  

 

Quarantäneregelung angepasst

Um diese Auswirkungen von Personalausfällen auf das öffentliche Leben etwas abzufedern, hatte der Bund Ende 2021 den Kantonen empfohlen, die Quarantäneregelung anzupassen. Zahlreiche Kantone – so auch der Kanton Luzern – haben daraufhin die Dauer der Quarantäne von 10 auf 7 Tage verkürzt und die Quarantäne im Wesentlichen auf Personen im selben Haushalt beschränkt.

 

Macht Quarantäne überhaupt noch Sinn?

Aufgrund der aktuellen epidemiologischen und wirtschaftlichen Lage gibt es aktuell jedoch Diskussionen und Forderungen seitens der Kantone, die Quarantäneregelung erstens schweizweit zu vereinheitlichen und zweitens die Dauer der Quarantäne noch weiter – nämlich auf 5 Tage – zu verkürzen. Eine schweizweite Vereinheitlichung der Quarantäneregelung begrüsse ich sehr. Ein kantonaler Flickenteppich ist für die Bevölkerung kaum nachvollziehbar – und hat sich schon in anderen Bereichen und früheren Phasen der Pandemie als nachteilig erwiesen. Wenn es um die Verkürzung der Dauer der Quarantäne auf fünf Tage geht, frage ich mich aber schon, ob die Quarantäne stattdessen nicht gleich ganz aufgehoben werden sollte. Es ist nämlich so, dass eine Person, die sich angesteckt hat, oft erst etwa zwei bis drei Tage später Symptome entwickelt oder ein paar Tage wartet, bis sie sich überhaupt testen lässt. Bis das Testresultat dann vorliegt, vergehen momentan weitere zwei bis drei Tage. Von der Ansteckung der Indexperson bis zur Benachrichtigung der Kontaktpersonen vergehen somit rund fünf Tage, in denen die betroffenen Personen am öffentlichen Leben teilnehmen und das Virus eventuell weiterverbreiten – respektive: bereits weiterverbreitet haben. Ob eine anschliessende Quarantäne von 5 Tagen dann noch Sinn macht, ist aus meiner Sicht fraglich. Allenfalls müssen wir vielmehr diskutieren, ob es nicht sinnvoller wäre, diese aufzuheben. Und falls die Quarantäne tatsächlich aufgehoben würde, müssten wir uns auch überlegen, wie wir mit dem Testen weiter verfahren.

 

Findet bald eine Durchseuchung statt?

Mit der Aufhebung der Quarantäne würde sozusagen eine «stille Durchseuchung» toleriert. In Anbetracht dessen, dass die Omikron-Variante zwar hoch ansteckend ist, gleichzeitig aber zu weniger schweren Verläufen und Hospitalisierungen zu führen scheint, ist dies vielleicht sogar vertretbar, weil wir so rasch eine Herdenimmunität erlangen und das Virus schliesslich endemisch werden könnte. Wenn der eigentliche Plan ist, dass eine Durchseuchung stattfinden soll, dann sollte dies meiner Meinung nach aber auch transparent kommuniziert werden – und zwar mit allen Konsequenzen, die wir damit in Kauf nehmen. Eine Konsequenz beispielsweise wäre, dass aufgrund der vielen gleichzeitigen Krankheits- und Personalausfälle die Gesundheitsversorgung (Spitäler, hausärztliche Versorgung, Spitex, Alters- und Pflegeheime, etc.) für eine gewisse Zeit teilweise wahrscheinlich nur noch mit Einschränkungen zur Verfügung steht und auch weitere Dienstleistungen (zum Beispiel Polizei, Feuerwehr, etc.) vorübergehend nicht mehr vollumfänglich sichergestellt werden können. Auch die Wirtschaft wird in dieser Zeitspanne Mühe haben, ihre Betriebe ohne Einschränkungen am Laufen zu halten – da dürfen wir uns nichts vormachen. Schliesslich müssen wir uns alle die Frage stellen: Wollen wir lieber ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende?

 

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Bliibed Sie gsond!

 

Guido Graf

Regierungsrat

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