Wort zum Freitag

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Die Omikron-Welle hat uns bereits fest im Griff, und sie türmt sich weiter auf. Aktuell gibt es täglich rund 30'000 gemeldete Neuansteckungen, und die Dunkelziffer dürfte noch einiges höher sein. Die wissenschaftliche Taskforce des Bundes unter der Leitung von Tanja Stadler rechnet damit, dass die Fallzahlen weiter steigen und wahrscheinlich noch im Januar den Höhepunkt erreichen. Auf diesem Peak könnten sich bis zu 10 bis 30 Prozent der Bevölkerung in nur einer Woche anstecken. 2500 bis 10'000 Spitaleintritte hätte dieses Szenario zur Folge. Wie gesagt ist das aber bloss ein Szenario und nicht eine Prognose.

 

Risiko der Spitalüberlastung weiterhin hoch

Bisher lag Tanja Stadler mit ihren Berechnungen richtig. Was hiesse das nun für die Spitäler? Ja, momentan herrscht Ruhe vor dem Sturm. Die Auslastung mit Covid-Patienten ist in unseren Spitälern aktuell auf hohem aber konstantem Niveau. Das könnte sich aber bald ändern, wenn wir bedenken, dass die Spitaleinweisungen in den vorherigen Wellen jeweils ca. zwei Wochen zeitverzögert erfolgten. Dazu kommen die bereits hohen und weiter zunehmenden Personalausfälle, welche die Situation zuspitzen werden, sodass das Risiko für eine Überlastung der Spitäler weiterhin hoch ist. Unter diesen Umständen ist es auch richtig, die aktuellen Massnahmen weiterzuführen. Allerdings muss laufend überprüft werden, ob sie noch nötig sind.

 

Patientinnen und Patienten warten immer länger auf planbare Eingriffe

Was wir nicht vergessen dürfen, ist, dass die Personalausfälle in den Spitälern dazu führen, dass die Spitäler enorme Anstrengungen unternehmen müssen, um den Betrieb ohne Einschränkungen weiterzuführen. Zum Glück sind die Luzerner Spitäler gut auf diese Szenarien vorbereitet und rechnen momentan nicht damit, dass sie Bettenstationen schliessen müssen. Die Liste der Eingriffe und Behandlungen, die verschoben werden müssen, wird aber immer länger. Termine werden zurzeit bereits mehrmals verschoben, es findet ständig eine Dringlichkeits- und Wichtigkeitsabwägung statt. Während dem Warten auf die Behandlung haben die Patientinnen und Patienten oft Schmerzen, oder sie müssen im schlimmsten Fall mit Langzeitfolgen rechnen, die mit einer raschen Behandlung hätten vermieden werden können.

 

Information über mögliche Triage war richtig und wichtig

Wie geht es weiter? Die Welle dürfte eher kurz, aber heftig werden. Die Situation in den Spitälern dürfte sich zuspitzen. Wir hoffen alle sehr, dass eine Triage weiterhin nicht nötig sein wird. Dennoch war es richtig und wichtig, dass wir bereits im Dezember transparent darüber informiert haben, was eine solche für die Bevölkerung bedeuten würde.

 

Verkürzung von Quarantäne- und Isolationsdauer ist richtig und wichtig

Richtig und wichtig ist es auch, dass der Bundesrat am Mittwoch beschlossen hat, die Isolations- und Quarantänedauer schweizweit zu verkürzen und die Quarantänevorschriften auf Personen im gleichen Haushalt oder mit ähnlich engem und regelmässigen Kontakt einzuschränken.

 

Am wichtigsten bleibt die Impfung – vor allem auch nach der Pandemie

Fest steht: wenn die Welle abflacht, dann verlieren viele Massnahmen ihre Daseinsberechtigung und müssen zurückgefahren werden. Im besten Fall ist das Virus dann endemisch und die Pandemie endet. Dann erst recht bleibt auch die Impfung richtig und wichtig. Denn das Virus ist immer noch da und es wird immer wieder auftauchen. Die Impfung ist in einer endemischen Phase vielleicht sogar wichtiger als vorher, weil wir dem Virus dann ohne all die Schutzmassnahmen ausgeliefert sind. In diesem Sinne: Lassen Sie sich impfen, damit Sie geschützt sind - jetzt in der Pandemie, aber vor allem auch nach der Pandemie. Die Impfung bietet einen guten Schutz vor einer Ansteckung und schützt nachgewiesenermassen wirkungsvoll vor einem schweren Verlauf.

 

Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende. Bliibed Sie gsond!

 

Guido Graf

Regierungsrat

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